Montag, 6. Juni 2011

Feminismus - ja bitte! (aber richtig!)

Wisst ihr, was ich schon immer an Alice Schwarzer bewundert habe?

- NICHTS.

In den letzten Tagen war viel von EHEC die Rede, und welches Gemüse man nicht mehr essen dürfe. Währenddessen wurde das Internet jedoch von einer Art Argumentationsschnupfen infiziert, der zwar an sich nicht gefährlich, aber von Symptomen begleitet ist, die sich im Extremfall negativ auf die Lebensqualität von Internetnutzern auswirken können. Es handelt sich um die Genderdebattitis, auch bekannt als Schwarzer-Syndrom. Diese Krankheit bringt arglose Netzbürger dazu, in Diskussionsforen, Chats und ähnlichen Einrichtungen in epischer Breite "Genderdebatten" zu führen: War die Emanzipation sinnvoll? Ist die Frauenrechtsbewegung über ihre Ziele hinausgeschossen? Oder muss sie noch radikaler werden? Sind heutzutage Männer das eigentlich benachteiligte Geschlecht? Brauchen wir eine Männerrechtsbewegung? Über diese und ähnliche Fragen führen die Infizierten ausufernde, immer emotionaler und verbitterter werdende Online- (und zuweilen auch RL)-Debatten.

Experten vermuten, dass das Genderdebattitis-Virus während des Kachelmann-Prozesses durch Mutation aus einem harmlosen Schnupfenerreger entstand. Als Mutagen wirkte wahrscheinlich die vergiftete Atmosphäre, die Frau Schwarzer während ihres Wetterfrosch-Bashings freisetzte.

Eines ist klar: Die Emanzipation der Frauen war eine gute, längst überfällige Sache - über Jahrtausende wurden Frauen in vielen Kulturen bestenfalls als Bürger zweiter Klasse angesehen. Dass sie nun gleichberechtigt Zugang zu Bildung, Berufen und politischen Ämtern haben, gehört zu den großen Leistungen des 20. Jahrhunderts.

Doch nun würde Alice Schwarzer sagen: "Das war erst der Anfang. Die Emanzipation ist noch längst nicht am Ziel." Hiermit hätte sie sogar Recht. Doch worin besteht dass Ziel, das die Emanzipation noch nicht erreicht hat? In gleichen Löhnen in allen Bereichen? Darin, dass Frauen genauso häufig wie Männer Führungspositionen in Forschung und Industrie einnehmen sollen? Das scheint nicht zu sein, was Frau Schwarzer primär vorschwebt. Stattdessen sollen Erotikfilme verboten, Bikinimodels auf Werbeplakaten abgeschafft und jegliche Darstellung, die erotische Attribute des weiblichen Körpers in den Vordergrund rückt, unterbunden werden. Mit anderen Worten: Männer sollen aufhören, an Frauen sexuelles Interesse zu zeigen.

Das ist zum einen aus biologischen Gründen nicht möglich.

Zum anderen fragt man sich, wie weit es mit der Emanzipation her ist, wenn Frauen angeblich so schwach sind, dass sie es nicht aushalten, wenn Männer dazu stehen, dass sie einen weiblichen Körper anziehend finden.

Natürlich: Dass Frauen nicht ausschließlich für ihre Körper geschätzt werden wollen, ist völlig verständlich. Dies lässt sich jedoch nicht erreichen, indem man Männern verbietet, sich an Darstellungen des weiblichen Körpers zu erfreuen (oder soll man etwa auch Francesco Goyas "Nackte Maya" aus dem Museum verbannen??), sondern indem man Frauen dazu animiert, etwas Besonderes, Bewundernswertes zu Gesellschaft und Kultur beizutragen.

Genau das tut Alice Schwarzer nicht. Aus ihrer Sicht scheint Emanzipation nur aus "Fordern" zu bestehen. Die Männer müssen... Die Männer sollen... Dass jedoch Frauen nicht nur Chancen einfordern, sondern diese auch ergreifen müssen, kommt ihr nicht in den Sinn.

Barbie ist da schon weiter: Letztes Jahr beschloss Mattel - als Ergebnis einer Internetabstimmung - der umfangreichen Berufsliste der mageren Blondine Computeringenieurin hinzuzufügen. Die angestrebten Forschungsbereiche hören sich zwar noch verdächtig hausfrauenlastig an (Optimierung der häuslichen Energieeffizienz, Überwachunsgeräte für Neugeborene), aber es ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Schon lange vor der Zeit Alice Schwarzers gab es Frauen, die im Gegensatz zu ihr ihr Leben nicht der undifferenzierten Bekämpfung von Männern gewidmet haben, sondern die sich aus eigenem Interesse traditionell männlich dominierte Felder zu eigen gemacht und darin Herausragendes geleistet haben: Emanzipation durch Aktivität statt durch passiv-aggressives Verhalten.

Hypathia, Maria Sibylla Merian, Marie Curie, Emmy Noether - aus dem Stehgreif fallen mir zahlreiche Wissenschaftlerinnen ein, die oftmals gegen beträchtlichen Widerstand ihrer mehrheitlich männlichen Kollegen wichtige Entdeckungen gemacht und sich selbst Ehrenplätze in der Kulturgeschichte der Menschheit gesichert haben. Ich möchte hier nur zwei herausgreifen, die gut in den Rahmen des Neil Brainstrong Magazines passen.

Das NBM erforscht die Zukunft der Menschheit, und die Zukunft hält für uns noch das größte Abenteuer überhaupt bereit: Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation! Die amerikanische Astronomin Jill Tarter (geb. 1944) gehört zu den Wissenschaftlern, die sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie man dieses Abenteuer in Angriff nehmen könnte: Sie ist Direktorin des SETI-Instituts (SETI = Search for extraterrestrial intelligence) und hat zahlreiche Arbeiten über die Suche nach außerirdischem Leben veröffentlicht. Nebenher macht sie sich für guten wissenschaftlichen Unterricht und die Vermittlung und Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse stark.


"Understanding our place in the cosmos is
the next step in the Copernican revolution"


Kaum eine Entdeckung würde sich so einschneidend auf die menschliche Kultur auswirken wie der Empfang von Signalen einer anderen Zivilisation. Möglicherweise würde dies eine Art "kulturelle Singularität" auslösen - mit Singularität ist hier ein Ereignis gemeint, nach dem "nichts mehr so ist, wie es einmal war". Unsere komplette Weltwahrnehmung würde dadurch von Grund auf umgekrempelt. Die Arbeiten von Jill Tarter kann man daher von ihrer Bedeutung her gar nicht hoch genug einschätzen.

Zweitens ist das NBM ein Onlinemagazin. Das bedeutet, dass es ohne Ada Lovelace vielleicht gar nicht existieren würde. Ada Lovelace (1815 - 1852) war die Tochter des bekannten Dichters Lord Byron. Schon als Kind zeigte sich ihre herausragende mathematische Begabung. Augustus De Morgan, einer ihrer Hauslehrer, vermutete, sie würde "eine bedeutende mathematische Forscherin, möglicherweise eine erstklassige Eminenz" werden. Was er nicht vermutete, war, dass eine ihrer Arbeiten die Grundzüge einer Technologie vorwegnehmen würde, die 150 Jahre später den Planeten dominieren sollte: Sie entwickelte das erste Computerprogramm - eine Folge diskreter Rechenanweisungen für Charles Babbages "Analytical Engine", einen programmierbaren mechanischen Computer, der allerdings nie gebaut wurde (1991 ließ das London Science Museum eine einfachere Konstruktion von Babbage, die Difference Engine, konstruieren, nur unter Verwendung von Materialien und Techniken, die zu seiner Zeit zu Verfügung standen, und 2010 startete der Programmierer John Graham Cumming eine Kampagne, um eine komplette Analytical Engine zu bauen). Ada Lovelace verfasste Anmerkungen zu einem Vortrag von Babbage, die eine komplette Beschreibung von Computern und Software enthalten - Konzepte, die in den letzten Jahrzehnten unser gesamtes Leben verwandelt haben und die wir inzwischen tagtäglich nutzen. Auch die Suche nach außerirdischen Signalen ist ohne Computer nicht vorstellbar.



Sie hatte nicht nur Stil, sondern auch Hirn!
Seit 2009 wird übrigens jährlich der Ada-Lovelace-Day gefeiert,
zur Ehrung von Frauen in Wissenschaft und Technik. Dieses
Jahr fällt er auf den 7. Oktober.


Wenn man bedenkt, dass immer noch sehr wenige Frauen in der Forschung arbeiten, diejenigen, die es tun, aber oft hervorragende Entdeckungen machen, wird einem klar, was für ein gigantische Potential hier noch schlummert! Für den Aufbruch in die Zukunft benötigen wir exzellente, kreative Wissenschaftler - und 49 % der Menschheit haben bislang noch kaum ihre diesbezüglichen Fähigkeiten eingesetzt. Wir sollten Frauen dazu animieren, in die Forschung zu gehen, denn wir brauchen geniale Köpfe wie Ada Lovelace, Marie Curie, Lise Meitner oder Jill Tarter - aber keine verkniffen vor sich hin schimpfenden Strickstrumpfemanzen, deren hauptsächliche Fähigkeit darin besteht, in der "BILD" gegen ehemalige Wettermoderatoren zu hetzen.

Kommentare:

  1. "Man bedenke, es handelt sich nur um einen Roman. Die Wahrheit wird – wie stets – weit erstaunlicher sein."

    (Vorwort zu "2001")

    Vor über 40 Jahren visualisierten Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke nicht nur die voraussichtlichen technologischen Möglichkeiten im Jahr 2001. Heute hängen wir weit hinter diesen Möglichkeiten zurück und befinden uns in einer globalen Wirtschaftskrise, die aufgrund der atomaren Bedrohung das Ende der Menschheit bedeuten kann. Die Ursache ist eine künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten, die uns seit jeher davon abhält, die Makroökonomie zu verstehen:

    (Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

    Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in "dieser Welt" ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Bewusstsein der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte, während das Wissen seit langer Zeit zur Verfügung steht, um diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" endgültig zu eliminieren.

    Bis heute ist unsere "moderne Zivilisation" auf der Religion aufgebaut, und mit einem hatte Karl Marx Recht, auch wenn er als Ökonom keine Leuchte war: Die Religion ist das "Opium des Volkes". Doch der "Unglaube" ist gegenüber dieser schlimmsten aller Drogen wirkungslos, weil Gott existiert – als Programm in Ihrem Unterbewusstsein. Auf subtile Weise steuert "er" Ihr Verhalten, Ihre tiefsten Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste, ohne dass Sie eine Möglichkeit haben, sich dieser Beeinflussung zu entziehen. Solange Sie "ihn" nicht erkannt und verstanden haben, sind Sie ein Untertan eines vor über drei Jahrtausenden programmierten Hirngespinstes, ob Sie wollen oder nicht. Sich selbst von der Religion zu befreien, ist in "dieser Welt" so gut wie unmöglich, denn "über den Rand der Welt zu fallen", macht den Allermeisten mehr Angst als alles andere! Nur zwei Persönlichkeiten in der bekannten Geschichte konnten den künstlichen Archetyp Jahwe aus eigener Kraft erkennen: die Propheten Jesus und Mohammed.

    Heute können Sie wählen, ob Sie zu den "Gewöhnlichen" gehören, die bis zum bevorstehenden, eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation "halbwegs glücklich" in seliger Unwissenheit verbleiben, oder zu den "Einzelnen und Auserwählten", die schon vorher aus der religiösen Verblendung auferstehen: http://www.deweles.de/willkommen.html

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  2. ??
    Ich kann zwischen deinem Kommentar und meinem Text keinerlei inhaltlichen Zusammenhang erkennen.

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